Stabrohrmühle

Eine Stabrohrmühle zerkleinert Gestein zu Sand in der Körnung 0/2 oder 0/4

Geschichtlicher Überblick

Im Jahre 1870 erhielt Zarenko ein Patent für die Idee, zylindrische Stäbe im Inneren einer Trommel rollen zu lassen. Der Ausdruck Trommel ist eigentlich auch richtig, denn es handelt sich immer um kurze Mahllängen.

1906 wird erstmals eine solche Maschine angeboten und zwar von der Firma Gebr. Propfe in Hildesheim.

Erst 10 Jahre später tauchen in Amerika solche Mühlen auf, aber noch keinesfalls für die Steine-und-Erden-Industrie sondern für Erze, Salze, Kohle usw. Hierbei werden die Vorteile der Stabrohrmühlen erkannt, nämlich die Vermahlung von feuchten Produkten und die Möglichkeit, ein gleichmäßiges Endkorn herzustellen, ohne die Feinheit zu weit zu treiben.

Herr Blanc aus Paris schlägt deshalb vor, diesen Mühlentyp für die Herstellung von Sanden zur Betonaufbereitung einzusetzen. Sie wurden dann zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Aufbereitungsanlagen beim Bau von Staudämmen und Tunnels, wo also Felsgestein als Zuschlagstoff zur Verfügung steht. Bis dahin vergingen etwa weitere 20 Jahre.

Heute ist die Stabrohrmühle in Fachkreisen ein allseits bekanntes Zerkleinerungsgerät, was aber durch die Entwicklung der Prallzerkleinerung wieder in den Hintergrund gedrängt wurde.

Alle namhaften Maschinenfabriken hatten solche Trommelmühlen für die verschiedenen Materialien und in unterschiedlichen Bauformen in ihrem Lieferprogramm.

Einsatzmöglichkeiten

Stabrohrmühlen, die in die Kategorie der Grobvermahlung fallen, können sowohl im Trocken- als auch Nassverfahren betrieben werden. Immer wird ein Sand 0/2 oder 0/4 gewünscht, der sich bei der Trockenvermahlung durch einen hohen Fülleranteil auszeichnet.

In unseren Kundenkreisen hat die Trockenvermahlung durch solche Mühlen an Bedeutung verloren, nachdem die Prallzerkleinerung hier Boden gut gemacht hat und außerdem der Füller nicht sehr gefragt ist, weil er in seiner Qualität (Aufmahlung) nicht den Erfordernissen entspricht.

Der Einsatz von Stabrohrmühlen in der Zuschlagstoffindustrie beschränkt sich also nahezu auf die Nassvermahlung, d. h. Mahlung unter Zugabe von Wasser. Eine solche Aufbereitung ist immer dann in den Steine-und-Erden-Betrieben – und hier vorwiegend bei den Kieswerken – gefragt, wenn

  • relativ feine und nasse Überschusskörnungen, z. B. 4/8 oder 8/16 mm, vorhanden sind,
  • das Vorkommen zu wenig Sandanteile besitzt,
  • der Natursand in seiner Zusammensetzung nicht der Normanforderung (DIN 4226) oder den Kundenwünschen entspricht und verschnitten werden muss,
  • Spezialsande geliefert werden müssen, die in ihrem Kornband nicht natürlichem Vorkommen entsprechen,
  • bei Großbaustellen, z. B. Staumauern oder Tunnels, bei denen die normalen Zerkleinerungsvorgänge zu wenig oder zu gering qualifizierten Sand liefern.

Hieraus resultiert, dass diese Maschinen im Inland vorwiegend in Süddeutschland vorgefunden werden und da mit den Schwerpunkten Münchner Schotterebene, Ober- und Hochrhein, Donau und deren Zuflusstäler.